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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.

Mahatma Gandhi (1869–1948)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Astronomie ist nicht alles, aber vieles hat seine Wurzeln in der Astronomie. Dass man anhand von Fallzahlen einer Doppelblindstudie die Wirksamkeit eines Impfstoffes gegen COVID-19 schätzen kann, geht zurück auf einen Astronomen! Die Rede ist von Pierre Simon Marquis de Laplace (1749–1827). Lassen Sie uns also zur Abwechslung einmal über Corona reden. Mit hörbarer Erleichterung wurde aufgenommen, Impfstoffe mit hoher Wirksamkeit gegen das Coronavirus seien gefunden worden. In einem Fall war von 94,5 % die Rede. Fünf Coronafällen unter den Geimpften stünden 90 Fälle in der Placebogruppe gegenüber. Die Schätzung der Wirksamkeit scheint einfach: Dank des Impfstoffes sind der Gruppe der Geimpften 85 Coronafälle erspart geblieben, macht eine Wirksamkeit von 85/90 = 94,4 %. Doch wie belastbar sind solche Angaben? Versucht man, dies herauszufinden, stößt man auf ein für die Wissenschaft fundamentales Problem: einem unvermeidlichen Rest an Subjektivität . Nach des Kosmos-Boten Meinung  übertrifft mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit die Wirksamkeit 90,2 %. Verlangte einem nach 99-prozentiger Sicherheit, läge die untere Grenze bei „nur“ 85,7 %. (Von einer derart hohen Wirksamkeit hätte man Monate zuvor nicht zu träumen gewagt!) Bei der Zulassung eines Impfstoffs oder Medikaments zählt selbstredend die Meinung der Zulassungsstelle, nicht die der Firma oder gar des Kosmos-Boten. Der Tatsache, dass bei gegebener Faktenlage unterschiedliche Interpretationen möglich sind, geht dieser Newsletter nach. Natürlich kommt auch Pierre Simon de Laplace zu Wort. Der Marquis wollte wissen, wie wahrscheinlich es sei, dass tags darauf wieder die Sonne über Frankreich aufgeht – eingedenk der vielen „erfolgreichen“ Sonnenaufgänge zuvor.

Die Namen der ersten vier Planetoiden und die ihrer Entdecker dürften vielen Lesern noch geläufig sein. Nummer vier, Vesta, wurde 1807 aufgefunden. Doch wie heißt der fünfte Planetoid? Es sollte 38 Jahre dauern, bevor der Kleinplanet (5) Astrea von dem Postbeamten und Liebhaberastronomen Karl Ludwig Hencke (1793–1866) aufgefunden wurde. Das war vor 175 Jahren, genauer, am 8. Dezember 1845. Danach ging es Schlag auf Schlag, als sei der Bann gebrochen. Bereits im Juli 1847 folgte (6) Hebe. Wieder war Karl Ludwig Hencke der glückliche Finder.

Der Name Astrea war glücklich gewählt, ein Omen. Einer antiken Verheißung zufolge kündigt die Rückkehr der „Redlichkeit“ den Wiederbeginn des „Goldenen Zeitalters“ an! Ja, die alten Griechen dachten zyklisch, und das, obwohl sie nicht viel vom Menschengeschlecht hielten und ihm den stufenweisen Niedergang attestierten. Als im Eisernen Zeitalter den Göttern die allgemeine Verderbtheit schließlich zu bunt wurde, machte sich als letzte Schutzgöttin der Sterblichen auch die Jungfrau Asträa aus dem Staube. Am Himmel, als Sternbild Virgo, neben der Waage der Gerechtigkeit, hielt sie die Erinnerung an bessere Zeiten wach. Als in Rom, unter Kaiser Augustus (63 v. Chr.–14 n. Chr.), eine Periode des Friedens und Gedeihens einsetzte, glaubte man, nun sei es endlich so weit. Es geschah aber in der Provinz, in Bethlehem, wo sich die Schrift erfüllte: Die „Niederkunft“ Mariä, der Jungfrau, läutete das Christliche Zeitalter ein.

Für die Astronomie brach mit der Astrea in der Tat ein goldenes Zeitalter an: Heute kennt man von 750 000 Kleinplaneten die Bahnen.

Einen coronafreien Start ins zweite Fünftel des 21. Jahrhunderts – es beginnt am Silvesterabend um 20:12 MEZ – wünscht Ihnen

Ihr Hans-Erich Fröhlich

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