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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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Verjagt man uns von der Erde, so wird mein Buch als Führer den Auswanderern und Pilgern zum Monde nützlich sein.

Johannes Kepler, 1629

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

1609 hatte Kepler (1571–1630) einen „Traum“. Ihm träumte von einer Fahrt zum Mond. Die phantastische Erzählung, zu deutsch: „Traum, oder die Astronomie des Mondes“, ein Vorläufer der Science-Fiktion, erschien, mit vielen Anmerkungen gespickt, erst vier Jahre nach Keplers Ableben. Sein ältester Sohn, Ludwig (1607–1663), hatte die postume Veröffentlichung besorgt und dem astronomiebegeisterten Landgrafen Philipp III. von Hessen-Butzbach (1581–1643) gewidmet. Dadurch, dass sich Kepler in Gedanken zum Mond begibt, kann er sich vom irdischen Standpunkt lösen und seine pädagogischen Fähigkeiten zur Popularisierung des Kopernikanischen Weltbildes einsetzen. Darüber hinaus wird noch Wissenswertes und durchaus Skurriles über Levania und die Seleniten, den Mond und seine Geschöpfe, an den des Latein Mächtigen gebracht.

Mit 25 km/s Durchschnittsgeschwindigkeit waren Keplers Traumgestalten von 1609 flinker als die Apollo-Astronauten von 1969. Laut Kepler, der sich nebenbei über abergläubige Vorstellungen lustig machte, die mit Sonnen- und Mondfinsternissen zusammenhängen, müsse so eine Mondfahrt im Schutze des Erdschattens erfolgen, um nicht der Sonnenglut zu erliegen. Diese Schattenbrücken zwischen Erde und Mond währen nur Stunden. Eile war geboten! Und da ist etwas dran: Mondreisende sind außerhalb des Magnetschildes der Erde ungeschützt der Korpuskularstrahlung der Sonne ausgeliefert, welche zuweilen tödlich tobt.

Am 20./21. Juli 1969, 350 Jahre nach Keplers „Traum“, war es so weit: Erstmals betraten Menschen „Levania“. Es war nicht die Kraft eines isländischen Dämons, wie in Keplers Traum, sondern der 3 1/2-Tausend-Tonnen-Schub einer Saturn-V, der die Crew von Apollo 11, Neil Armstrong (1930–2012), Edwin „Buzz“ Aldrin (geb. 1930) und Michael Collins (geb. 1930), zum Monde beförderte. Dass ein Erdling, wie Neil Armstrong, eine weiche Landung hinbekommen könnte, diese Bravourleistung traute Kepler keinem Menschenkinde zu (zumal ein solches während der Überfahrt, der Strapazen wegen, mit Opiaten betäubt werden musste)! Gute Geister seien vonnöten, schreibt er: „Aber infolge der bei Annäherung an unser Ziel stets zunehmenden Anziehung würden [die Mondfahrer] durch zu harten Anprall an den Mond Schaden leiden, deshalb eilen wir [guten Geister] voran und behüten sie vor dieser Gefahr.“

1972 endete das Apollo-Mondflugprogramm vorzeitig mit Apollo 17. An dieser vorerst letzten Expedition nahm erstmals ein Wissenschaftler teil, der Geologe Harrison Schmitt (geb. 1935). Der sprach sich später wiederholt für eine „Rückkehr zum Mond“ aus, allerdings diesmal zum Zwecke seiner wirtschaftlichen Nutzung. Dazu weiter unten mehr.

Auch wenn der Juli-Newsletter ganz dem Monde gewidmet ist, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass vor 70 Jahren der in Princeton wirkende österreichische Logiker und Mathematiker Kurt Gödel (1906–1978) mit einem verstörenden Geschenk zu Einsteins 70. Geburtstag aufwartete: einem Weltmodell mit „Zeitschleife“, und das auf Grundlage der Einsteinschen Allgemeinen Relativitätstheorie! Eine entsprechende Publikation erschien in der Juliausgabe der Reviews of Modern Physics. Zimmernachbar Albert Einstein war verblüfft, dass seine Theorie so etwas – eine Weltlinie, die sich in den Schwanz beißt! – in petto hat. Zum Glück ist Gödels Modelluniversum von rein gedanklicher Art und ohne Bezug zur kosmologischen Wirklichkeit. Die Wirklichkeit expandiert, Gödels Universum rotiert, und Zeitreisen in die eigene Vergangenheit bleiben Fiktion.

Spaß bei der Lektüre wünscht wie immer

Hans-Erich Fröhlich

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