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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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Wie konnten mir nur diese kleinen Dinger von der Größe einer „Planck-Länge“ im Universum entgehen, die ein Millionstel, eines Milliardstels, eines Milliardstels, eines Milliardstels eines Zentimeters messen? Stell' Dir vor, so'n Ding fällt Dir im Kino runter! Es im Dunkeln zu finden, dürfte verdammt schwer fallen!

Woody Allen, 2003

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit den Tagen Keplers (1571–1630), genauer: seit exakt 400 Jahren, wissen wir, wie das Planetensystem ausschaut. Dank Keplers drittem Gesetz gibt's einen maßstabsgetreuen Plan des Ganzen. Allein, das Verkleinerungsverhältnis, bzw. die wirkliche Entfernung der Erde von der Sonne, ausgedrückt in Meilen oder Kilometern, war lange noch unbekannt. 1716 schlug Edmond Halley (1656–1742) vor, die sog. Astronomische Einheit indirekt zu ermitteln, indem man eine Entfernung, und zwar die der Venus von der Erde, direkt durch Triangulation bestimmt. (Die geeigneteren Kleinplaneten waren zu Halleys Zeit noch unbekannt.) Dafür boten sich Venusvorübergänge vor der Sonnenscheibe an, Transits. Zum einen ist die Venus dann der Erde am nächsten, zum anderen hängt die Dauer des Transits bzw. die Länge der Sehne, welche die Venus vor der Sonnenschreibe durchläuft, vom Ort, hauptsächlich der geografischen Breite, des Betrachters auf der Erde ab. Möglichkeiten, Halleys Plan umzusetzen, ergaben sich 1761 und 1769. Weitere Gelegenheiten böten sich 1874/1882, 2004/2012, 2117/2125, …. Wie man an den Daten ersieht, sind Venusvorübergänge zwar selten, treten dann aber paarweise auf, mit einem Abstand von acht Jahren.

Der 1761-Transit war ein Desaster. Die Ergebnisse viel zu ungenau. Man hatte nicht mit dem sinnesphysiologischen Phänomen des „schwarzen Tropfens“ gerechnet gehabt, was die sekundengenaue Ermittlung der Kontaktzeiten vereitelte. Wollte man nicht 105,5 Jahre warten, musste die zweite Chance am 3. Juni 1769 – vor einem Vierteljahrtausend! – zu einem Erfolg werden. Die Weltmächte warfen ihr ganzes Ansehen in die Waagschale und entsandten wissenschaftliche Expeditionen. Man arbeitete über Sprach- und Ländergrenzen hinweg zusammen. Die englische Expedition stand unter Käpt'n Cooks (1728–1779) Kommando. Der Weltumsegler sah und vermaß das astronomische Großereignis von Tahiti aus, vom „Point Venus“, wie er noch heute heißt. Die nördlichste erfolgreiche Beobachtung, durch Wiener Astronomen, fand in Vardø (im heutigen Norwegen) statt.

Alles nur noch von geschichtlichem Interesse!

Geschichte ist auch der 5. Juni 1819 als in Cornwall John Couch Adams (gest. 1892) zur Welt kam. Als Himmelsmechaniker machte sich dieser 1845 einen Namen: Er hatte, wie sein französischer Kollege Urbain Jean Joseph Le Verrier (1811–1877), die Ungereimtheiten in der Bewegung des Uranus einem unbekannten Planeten angelastet und sich, allein bewaffnet mit Newtons 1/r²-Gesetz der Gravitation, als versierter Rechenkünstler auf die Suche nach dem Störenfried begeben. Der wurde auch gefunden, und zwar an der Berliner Sternwarte. Es war in der denkwürdigen Nacht vom 23. zum 24. September 1846, eine Viertelstunde nach Mitternacht. (Der Sternwartendirektor feierte bereits! Es war sein 55. Geburtstag. Dass sich Le Verrier mit seiner Vorausberechnung ausgerechnet an die Berliner Sternwarte gewandt hatte, hatte einen Grund: Die Berliner hatten die besseren Sternkarten!) Neptun, wie der Neue genannt ward, war nur ein Grad von der berechneten Position entfernt! Anschließend entspann sich ein unschöner Streit zwischen England und Frankreich um die Priorität. Geht es um die bejubelte „Schreibtischentdeckung“ des Neptun, sollte man sich tunlichst beider erinnern: Le Verrier und Adams.

Über all das wurde bereits berichtet, „olle Kamellen“ sozusagen. Was noch aussteht aber, ist ein Stück „Schreibtischphysik“. Im April war von einer fünften (!) Dimension die Rede gewesen und versprochen worden, zu gegebener Zeit etwas zur Stringtheorie zu sagen, dem Favoriten auf dem Felde der Quantengravitation. Wohlan, man verspreche sich bloß nicht zu viel davon! Eingedenk der Tatsache, dass er ein schlichter Astronom nur ist, wird sich der Kosmos-Bote auf Grundsätzliches beschränken müssen.

Spaß bei der Lektüre wünscht wie immer

Hans-Erich Fröhlich

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