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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist 40 Jahre her, dass Voyager 1 „im Vorbeiflug“ das Rätsel um die inneren Saturnmonde X und XII, Janus und Epimetheus, löste. Das Timing war perfekt, verweist doch der Monatsname „Januar“ auf den römischen Janus, den doppelgesichtigen Herrscher über Ein- und Ausgang. Janus, der Mond, war Mitte Dezember 1966 von Audouin Dollfus (1924–2010), einem französischen Planetenforscher, dessen bevorzugter Arbeitssort der Pic du Midi in den französischen Pyrenäen war, aufgefunden worden. Der Zeitpunkt war günstig: Von den hellen Ringen des Saturns waren nur noch die Kanten zu erahnen. Vielleicht aber hatte der Franzose den Epimetheus gesichtet gehabt. Es ist nicht mehr zu rekonstruieren. Epimetheus hat offiziell gleich drei Entdecker: der eine, Richard L. Walker vom U.S. Naval Observatory, Flagstaff, hatte ihn wenige Tage nach Dollfus fotografiert gehabt, die beiden anderen, Stephen M. Larson und John W. Fountain, fanden 1978 heraus, dass beide Monde sich eine  Umlaufbahn teilen, was dann auch von Voyager 1 bestätigt wurde. Das Janus-Epimetheus-Pärchen ist für den Himmelsmechaniker ein Geschenk des Himmels. Rücken sie sich, was aller vier Jahre geschieht, auf die Pelle, tauschen sie, um Schlimmes zu vermeiden, fluchs die Bahnen. Auf diese Weise ist mal der eine dem Saturn wenige Kilometer näher, mal der andere. Obwohl sich beide Körper beim Näherkommen merklich gravitativ anziehen, sieht es wie Abstoßung aus: Der jeweils innere Mond ist schneller und nähert sich dem äußeren von hinten. Durch die Anziehung wird dieser gebremst, jener beschleunigt. Durchs Bremsen verliert zwar der äußer Mond an Höhe, nimmt aber Fahrt auf! Anders der innere Mond, der anfänglich schnellere: Er steigt, wird langsamer und bleibt zurück. Fazit: Die beiden kommen sich nie wirklich in die Quere.

Ebenfalls vor 40 Jahren, am 23. Januar, entwickelte in einem Seminarvortrag mit dem Titel „10-35 seconds after the Big Bang“ ein Mr. Alan Harvey Guth (geb. 1947) eine epochale Idee, die Idee vom inflationistischen  Universum. Sie erklärt, wieso das All exakt mit Entweichgeschwindigkeit expandiert und überall gleich ausschaut, jedenfalls was die kosmische Hintergrundstrahlung anbelangt, auch 3-K-Strahlung genannt. Und um gravitative „Abstoßung“ geht es bei der Inflation auch.

Und eines Todestages ist zu gedenken. Vor 75 Jahren, am 6. Januar 1945, verstarb in Moskau der russisch-ukrainische Gelehrte Wladimir Iwanowitsch Wernadski (geb. 1863). Der Mineraloge, Biogeochemiker und Visionär sah die Erde als komplexes System (wie nach ihm der Gaia-Erfinder James Lovelock, geb. 1919). Er wurde gar mit „Darwin der Geowissenschaften“ tituliert. 1926 erschien sein Buch „Biosphäre“. 1944 kreierte er die „Noosphäre“, womit er als Naturphilosoph zum Ausdruck bringt, dass der Mensch vermöge des Denkens inzwischen zu einer geologischen Kraft aufgestiegen ist, die den Planeten schneller umgestaltet als es geistlose natürliche Kräfte vermögen. Der Mensch wird so zum Designer seiner Zukunft und hebt die Evolution auf eine neue Stufe. Doch Fortschrittsglaube ist auch nur Glaube, und Evolution vollzieht sich schweigend und planlos. Auch sind Sackgassen ihr nicht unbekannt. Heute spricht man schlicht und wertfrei vom Zeitalter des Anthropozän.

Willkommen im letzten Jahr des zweiten Jahrzehnts im dritten Jahrtausend – dem ersten der „zwanziger Jahre“!

Ihr Hans-Erich Fröhlich

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