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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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Liebe Leserin, lieber Leser,

NASAs Sonnensonde durcheilt am 4. April zum zweiten Male das Perihel ihrer langgestreckten Bahnellipse. Wieder kommt die „Parker“-Sonde Ihrem Studienobjekt auf etwa 35 Sonnenradien nahe. (Ohne Raumfahrt schaffen wir es auf minimal 211,4 Sonnenradien.) Ende des Jahres wird sie einen Venusvorbeiflug benutzen, um sich noch näher an die Sonne heranzupirschen, was gar nicht so einfach ist. Man erhofft sich Aufschluss über den rätselhaften Heizmechanismus, der dafür sorgt, dass die Sonnenkorona 200-mal heißer als die Sonnenoberfläche ist.

Wenn man will, wird die Stringtheorie im April 100! Theodor Kaluza (1885–1954), ein schlesischer Mathematiker, hatte 1919 kurzerhand die vierdimensionale Raum-Zeit, die „Weltbühne“ der Einsteinschen Allgemeinen Relativitätstheorie, um eine Dimension erweitert, von vier auf fünf. Wozu? – Um die Einsteinsche Theorie der Schwere mit der Maxwellschen Theorie des Elektromagnetismus, der Lichttheorie, zu vereinen?! Alles bloß Geometrie: Nicht nur die Schwere, auch das Licht „geometrisiert“! Beides mit einem Schlag erledigt und quasi aus der Welt geschafft! Der Preis für die formale Vereinigung: eine zusätzliche Raumdimension. Albert Einstein gefiel's. Wie der schwedische Quantenphysiker Oskar Klein (1894–1977) alsbald herausfand, kann man die fünfte Dimension in Zusammenhang mit der Elementarladung bringen, biegt und schließt man sie zu einem kleinen Kreis von gerade einmal 10-33 cm. Man spricht heutzutage vornehm von Kompaktifizierung. Das erklärt, warum wir von einer zusätzlichen Raumdimension nichts wissen: Sie entzieht sich unseren Blicken. So genau kann kein Experimentalphysiker hinschauen! Man stelle sich ein ein-dimensionales Gebilde vor, eine Linie, die sich erst unterm Mikroskop als Schlauch entpuppt. Der große Durchbruch war das noch nicht. Zu neuen beobachtbaren Effekten führte die neue Theorie nicht. Aber der Bann war gebrochen: Mehr als drei Raumdimensionen wurden salonfähig! Als gebildeter Zeitgenosse kommt man um die Stringtheorie nicht herum. Der Kosmos-Bote wird zu gebener Zeit über die Quantengravitation berichten.

Die Himmelsmechanik gestattet über kurze Zeiträume exzellente Vorhersagen. Für den 13. April 2029 beispielsweise, einem Freitag, ist eine Begegnung der Erde mit dem Near Earth Object (NEO) 99942 Apophis vorgesehen. Der 370-m-Himmelskörper wird als Lichtpunkt 3. Größe mit 42°/h gemächlich über den Himmel ziehen und uns um wenigstens 31?200 km verfehlen. Höchstwahrscheinlich wird das NEO auch jenes kilometergroße „Schlüs­selloch“ verfehlen, das es durchfliegen müsste, sollte es exakt sieben Jahre später auf den Erdball einschlagen. Als das NEO 2004 entdeckt wurde und unter der vorläufigen Bezeichnung 2004?MN? firmierte, konnte zunächst eine Kollision im Jahre 2029 nicht ausgeschlossen werden. Die Aufregung um Weihnachten 2004 legte sich, als Archivaufnahmen auftauchten, die eine genauere Bahnbestimmung erlaubten. Nun steht selbst den Olympischen Spielen von 2036 himmlischerseits nichts mehr im Wege.

Zusammenstöße mit einem Brocken dieser Größe ereignen sich im Mittel aller 80?000 Jahre. Was das Zerstörungspotential anbelangt, handelte es sich um ein 750 Megatonnen-Ereignis. Zum Vergleich: Die russische Tsar-Bombe, die gewaltigste aller H-Bomben, die am 30. Oktober 1961 über Nowaja Semlja explodierte, hatte eine Sprengkraft von gut 50 Mt TNT, und der Krakatau-Ausbruch von 1883 ging mit mindestens 200 Mt in die Erdgeschichte ein.

Dass Ostern diesmal reichlich spät fällt, auf den 21. April, hat zwar nur noch bedingt mit Astronomie zu tun, ist aber dennoch vielleicht von Interesse.

Frohe Ostern wünscht Ihnen,

Hans-Erich Fröhlich

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