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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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Die Geometrie ist das Urbild der Schönheit der Welt.

Johannes Kepler (1571–1630)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor vier Jahrhunderten, 1619, erschien Keplers „Weltharmonik“, worin er ein drittes Gesetz der Planetenbewegung mitteilt. Es offenbart das Verbindende in der Planetenfamilie: Die Quadrate der Umlaufzeiten verhalten sich wie die Kuben der maximalen Bahndurchmesser. Danach ging es Schlag auf Schlag. 1666 leitete Isaac Newton (1643–1727) die Kepler'schen Gesetze aus seinem 1/r²-Gesetz der Gravitationsanziehung ab. Die Trennung zwischen irdischer und himmlischer Physik ward aufgehoben. Newtons Apfel fällt vom Stamm wie der Mond um die Erde. Die Neuzeit konnte beginnen.

In der Novemberausgabe ging's um den Kohlenstoffkreislauf und die Fragilität des Erdklimas. Wir erinnern uns: Die CO2 Bilanz ist nicht ausgeglichen. Zur Zeit werden ca. 4 % mehr CO2 in das Erdsystem eingespeist als durch natürliche Prozesse (hauptsächlich Photosynthese) entnommen – was nicht ohne Folgen bleibt. Wenige Prozent machen etwas aus! Dekarbonisierung ist das Gebot der Stunde. Doch ein Raus-aus-der-Kohle bedeutet für die Energiewirtschaft ein Hin-zum-Wind. Welche Folgen aber hat eine großtechnische Windverstromung auf das Klima, das es doch zu retten gilt? Wieviel Wind darf sich ein jeder „nehmen“, ohne dadurch „vom Regen in die Traufe“ zu kommen? Derzeit unbeantwortbar.

Windverstromung bedeutet, dass ein Teil der Windenergie woanders dissipiert, d. h. in Wärme umgewandelt wird, als das sonst der Fall wäre. Wind ist wichtig, z. B. für den Wasserkreislauf. Davon singt der Volksmund: „Seht, der Wind treibt Regen übers Land!“.

Das irdische Windsystem leistet etwa 900 TW. Gehen wir einmal davon aus, die Entnahme von einem Prozent, also 9 TW, werde schon nichts ausmachen, dann stünden pro Erdbewohner etwa 1 kW zu freier Verfügung, d. h. 90 GW für die deutsche Bevölkerung. Aufs Jahr hochgerechnet wären das 800 TWh. Zum Vergleich: 2018 wurden in Deutschland 111,5 TWh dem Winde entnommen. Klingt nicht schlecht, aber Deutschland hat eine hohe Bevölkerungsdichte. Lassen wir die Fairness beiseite und die Physik sprechen. Eigentlich sollte man als Bemessungsgrundlage 1 % der hierzulande dissipierten Wind­energie ansetzen. Da der Kosmos-Bote diese nicht kennt, wechselt er vom Anteil an der Weltbevölkerung zum Anteil an der Weltfläche. Die deutschen Lande machen 0,07 % der Erdoberfläche aus. So gesehen – flächenmäßig! – stünden uns an Windenergie lokal bloß noch 6 GW zu, bzw. jährlich 50 TWh – die Hälfte dessen, was wir im vorigen Jahr dem globalen Windsystem entzogen haben! Diese Überschlagsrechnung ist nur unwesentlich gescheiter als die Pro-Kopf-Milchmädchenrechnung. Es fehlt an einer fundierten Abschätzung. Die Botschaft indes ist eindeutig: Wind ist bloß sekundäre  Sonnenenergie! (Wäre die Erde eine Scheibe, gäbe es keinen Wind!) An primärer  Sonnenenergie herrscht kein Mangel, an sekundärer  schon. Windenergie könnte als „erneuerbar“ durchgehen, ginge ein Mehr an Windverstromung mit einem Mehr an Wind einher. Doch niemand wünscht sich einen stürmischeren Planeten …

Kommen Sie gut und mit einer Portion Gelassenheit ins Schaltjahr 2020!

Ein frohes Fest wünscht Hans-Erich Fröhlich

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