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«Der achte Schöpfungstag»

Gesetzmäßig, ohne Absicht, ergibt sich aus dem Heute das Morgen. Dennoch, wo eine kleine Ursache mitunter große Wirkung zeitigt, ist Zukunft unberechenbar, ein Buch mit sieben Siegeln. Man wusste das vom Wetter, es betrifft aber den ganzen Himmel. Das ist ein harter Schlag für gläubige Deterministen, erlöst aber von den Schrecken der Vorherbestimmtheit. (Auch der sog. Sach­zwänge: In einer Welt voller Scheidewege, wo eines Schmetterlings Flügel­schlag zur rechten Zeit den Lauf der Dinge ändert, scheint Einfluss­nahme, mithin Verantwortlichkeit, möglich!)

Es waren Astronomen, geniale Himmelsmechaniker, die vor 200 Jahren das Gerücht von der Berechenbarkeit der Welt in die Welt setzten.

Eschatologisches

Wie langfristig kann eine Prognose sein? Beim hiesigen Wetter eine Woche. Der Himmels­mechaniker schafft's beim (inneren) Planeten­system auf Jahr­millionen, was ihm Lob und Ansehen eingebracht hat, aber wenig ist in Anbetracht von 4½ Jahrmilliarden. Das über­schau­bare All schließlich dehnt sich noch in Äonen aus. Der Schwung ist so schnell nicht zu bremsen! Apropos «Bremsen». Die «Flucht der Spiral­nebel» beschleunigt sich anscheinend noch. Treiber ist das Quanten­vakuum. Vom «Nichts» geht eine Abstoßung aus. Albert Einsteins kosmologische Konstante, eine Art Antigravitation, mit der er den Kosmos an der Entwicklung hat hindern wollen, ist wieder da. Einstein selbst soll 1931, als die Hubblesche Entdeckung die Mär vom ruhen­dem Universum widerlegte, diese «kleine Modifikation» seiner Gleichung als «die vielleicht größte Eselei» in seinem Leben be­zeich­net haben. Genau dieser Term feiert als Vakuum­energie, zuweilen auch «fünftes Element» genannt, Auferstehung.

Schwanengesang

M 80

Und die Sonne? Sie wird weitere 18 Stufen der Zeittreppe Licht und Wärme spenden. Am Ende glüht sie noch einmal auf. Sie wird zum Roten Riesen, wie so viele vor ihr. (Kugelsternhaufen, die ältesten Gebilde der Galaxis, sind voll von aufgeplusterten Sonnen.) Verschlingen aber kann die Sonne die Erde nicht. Beim Aufblähen nimmt sie ab, verliert an Masse, wodurch der Erdbahnradius zunimmt. In 7½ Milliarden Jahren «springt» die Erde wegen des dann rapiden Masseverlusts der Sonne auf eine Bahn jenseits der heutigen Marsbahn. Der farbenprächtige Abgang der Sonne — sie entledigt sich ihrer Hüllen, ein Akt, der Zehntausend Jahre währt — wird allerdings vor leeren Rängen spielen. Meisterhaft hat H.  G. Wells 1895 in seinem SF Klassiker «Die Zeitmaschine» dies geschildert — vor den Astronomen.

Agonie eines Sterns

Bereits in wenigen hundert Millionen Jahren, lange bevor der Sonne rotglühende Scheibe den Himmel füllt und Ozeane verdampfen lässt, macht hierzulande mörderische Hitze dem Leben den Garaus. Doch wer weiß. Auszumalen, was aus dem «Humus des Seins» an Lebendigem wie Künstlichem hervorsprießen mag, übersteigt Menschen Witz.

Bildquellen: Hubble Heritage Team (STScI/NASA)

geändert: 15.08.2016