
November ist der Monat der Leoniden. Der Meteoritenschwarm kündet von der allmählichen Auflösung des Kometen 55P/Tempel-Tuttle, der alle 33 Jahre in Sonnennähe gerät und dabei jede Menge Staub abgibt. Am 19. November durchfliegt die Erde Staub, der von den Periheldurchgängen von 1766 und 1866 stammt. Mit maximaler Meteortätigkeit wird gegen 5 Uhr MEZ und 11 Uhr 30 gerechnet. Das erste Maximum ist von Europa aus sichtbar, leider stört der Vollmond, so dass höchstens mit 1000 sichtbaren Meteoren pro Stunde gerechnet werden kann. Die Leoniden Meteore scheinen alle vom Kopf des Löwen (Leo) zu kommen, daher der Name. Den gleichen Effekt erlebt man, wenn man Nachts mit dem Auto durch ein Schneegestöber fährt. Die im Scheinwerferlicht aufleuchtenden Schneeflocken scheinen alle von einem gemeinsamen Ursprung, dem Radianten, auszugehen. Das ist die Richtung, auf die wir uns relativ zum fallenden Schnee hin bewegen.
Von den Planeten ist Saturn am günstigsten zu beobachten. Er geht am Monatsende bereits gegen 17 Uhr auf. Fünf Stunden später folgt Jupiter. Venus ist in der zweiten Novemberhälfte Morgenstern. Auch Mars ist nur etwas für Frühaufsteher.
Und dann wäre noch die Halbschattenfinsternis des Mondes am 20. November zu erwähnen. Aufmerksame Beobachter werden bemerken, dass kurz vor 3 Uhr MEZ der nördliche Mondrand etwas dunkler erscheint als sonst. Bis zur nächsten richtigen Mondfinsternis, mit dem völligen Eintauchen des Mondes in den Kernschatten der Erde, müssen wir bis zum 16. Mai 2003 warten.
Im vergangenen Newsletter wurde der Riesenplanet bei 51 Pegasi erwähnt, der erste Exoplanet um einen sonnenähnlichen Stern. Er wurde vor sieben Jahren entdeckt. Inzwischen sind über Hundert derartige Planeten aufgefunden worden.
Sieht man davon ab, dass einer dieser Planeten, HD 209458 B - übrigens ebenfalls im Pegasus -, regelmäßig für wenige Stunden seinen Mutterstern ein klein wenig verdunkelt, weil jener dann vor dem Stern vorüberzieht, ist noch kein einziger dieser Wandelsterne direkt gesehen worden. Der Grund ist einfach: Diese Himmelskörper spiegeln nur das Licht ihres Muttergestirns und sie sind diesem von uns aus gesehen immer sehr nahe. Meist sind sie weniger als eine Bogensekunde (1/3600 Grad!) von diesem entfernt. Sie ertrinken sozusagen in der Lichtflut ihrer Sonne.
Woher wissen wir aber dann, dass es sie gibt?
Verraten haben sich bisher alle diese Exoplaneten durch die Schwerewirkung, die sie auf ihren Zentralstern ausüben. Es ist ja nicht so, dass nur der Stern den Planeten anzöge. Gravitation beruht auf Gegenseitigkeit. Der Planet zieht natürlich auch seinen Stern an. Genaugenommen bewegen sich beide um den gemeinsamen Schwerpunkt. Da die Masse des Zentralsterns die seines Planeten um das Tausend- bis Millionenfache übertrifft. verweilt der Stern immer sehr nahe dem Systemschwerpunkt. Nehmen wir unseren Jupiter, den schwersten Planeten im Sonnensystem. In den sechs Jahren, die er für eine halbe Umrundung der Sonne benötigt, wird diese immerhin um ihren Durchmesser (1 ½ Millionen km) versetzt. Ein außerirdischer Astronom sähe unsere Sonne ein klein wenig schlingern. Doch auch in den größten Fernrohren sind (bis auf ganz wenige Ausnahmen) die Sterne immer nur Punkte, nie winzige Scheibchen. Messbar ist das Hin und Her aber in der sog. Radialgeschwindigkeit, der Geschwindigkeitskomponente längs des Sehstrahls. Sechs Jahre lang käme die Sonne, um beim Jupiterbeispiel zu bleiben, auf jenen fiktiven ET-Astronomen zu, sechs Jahre würde sie sich von ihm entfernen. Die Relativgeschwindigkeit schwankte von -12 m/s bis +12 m/s. Dank des Dopplereffekts sind derartige Geschwindigkeitsunterschiede messbar, sogar noch kleinere. Beobachtet wird eine periodische Verschiebung von Spektrallinien. Die Periode ist die Umlaufzeit der beiden Körper umeinander. Aus der maximalen Größe der Linienverschiebung ergibt sich die Planetenmasse. Die Anforderung an die Messgenauigkeit sind allerdings enorm: das Zentrum von Spektrallinien muss auf ein Tausendstel der Linienbreite genau gemessen werden! Und bei Umlaufzeiten von Jahren gehört auch Geduld zur Grundausstattung eines Planetenjägers.
Das periodische Hin und Her jedenfalls verriet uns den Planeten bei 51 Pegasi. Im gewissen Sinne kam die Entdeckung zu früh. Man hatte in Analogie zu unserem Sonnensystem - man wusste es ja nicht besser - mit Umlaufzeiten von vielen Jahren gerechnet. Statt dessen braucht 51 Peg B keine fünf Tage, seinen Stern zu umkreisen, und dass obwohl er eine halbe Jupitermasse auf die Waage bringt. Wie das? Er ist seinem Stern 20-mal näher als wir unserer Sonne. Befände sich dieser Riesenplanet in unserem Sonnensystem, er kreiste noch weit innerhalb der Merkurbahn! Der Effekt war damit viel größer als erwartet. Der Planet wurde sozusagen auf Anhieb gefunden.
Inzwischen kennt man sehr viele solcher "heißen" Jupiter und zerbricht sich den Kopf, wie sie entstanden sein könnten bzw. in derartige Nähe zu ihrem Stern gelangen konnten.
Ist unser Planetensystem etwa atypisch?
Nun, das muss nicht sein. Die sehr sternnahen Riesenplaneten sind
einfach einfacher zu entdecken. Ein System hat man gefunden, dass
unserem schon ähnelt, 55 Cancri.
Seit einem Dutzend Jahren steht diese Sonne auf dem Beobachtungsprogramm der
Planetensucher. Jetzt sind sie erneut fündig geworden. Ein zweiter
Riesenplanet um diesen Stern kreist in 5,5 astronomischen
Einheiten (AE) Entfernung um seinen Stern. Das erinnert schon sehr an
unseren Jupiter, der in 5,2 AE Abstand zur Sonne seine Bahn zieht.
Eine AE ist der mittlere Abstand der Erde von der Sonne: 150 Millionen
Kilometer.
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