
ESO-Photo hoher Auflösung (5.5 Mbyte)
«Mein Gott, da ist ein Loch im Himmel» soll William Herschel
gerufen haben, als er so etwas sah. Es ist aber Staub, der
die Sicht auf die Sterne dahinter versperrt. (Im Infraroten
allerdings ist die Wolke — noch — durchsichtig.) Staub ist wichtig. Er
kühlt, senkt den Gasdruck, ermöglicht dadurch den
Gravitationskollaps und
— stellt das Rohmaterial für Planeten. Aus dem Staub dieser
Dunkelwolke vom
dreifachen Gewicht der Sonne und sieben Lichtmonaten Ausdehnung
ließen sich Tausende Erdkugeln formen.
Was vor 4550000000 Jahren bzw. 5,80 Metern bei uns
geschah — die Bildung eines Sonnensystems -, steht dieser
Globule noch bevor.
HH 212
Damit hatte niemand gerechnet: lichtjahrelange Gasströmungen, die mit Hunderten von Kilometern pro Sekunde von dem (noch) unsichtbaren Sternen«baby» davonschießen. Wie das? Beim gravitativen Kollaps, der die enorme Verdichtung der interstellaren Materie zu einem Stern bewirkt — ein Kubikkilometer Wolke stürzt zu weniger als einem Kubikmillimeter Stern zusammen! -, bleibt der Umschwung, der in der Rotation steckt, erhalten. Er sorgt dafür, dass der Kollaps zunächst gestoppt wird und eine den Sternenkeim umwirbelnde Scheibe entsteht. Sie füttert den Protostern und zieht Planeten groß! Magnetische Kräfte schleudern Gas senkrecht zur Scheibe hinweg. Nur die beiden Gasfontänen verraten, dass eine Scheibe da sein muss.
Scheiben
Pränatale Scheiben gibt's im Orionnebel. «Nr. 5» übertrifft an Größe das Planetensystem und hebt sich vor dem hellen Nebelhintergrund ab. Der Stern darinnen ist nur indirekt wahrzunehmen, dadurch, dass er die Scheibe beleuchtet. Ob dort Planeten entstehen? Wer weiß. Ausgesetzt der Strahlung und dem Sturmwind heißer Sterne verdampfen die Orion-Scheiben, und ein Planetenkeimling müsste sich beeilen, wollte er den Wettlauf gegen die Zeit gewinnen. Woanders mögen die Umstände günstiger sein: Staub- und Eisteilchen in der Scheibe verklumpen zu porösen Gesteinsagglomeraten bzw. «schmutzigen Schneebällen», wachsen lawinenartig zu Asteroiden bzw. Kometen. Die Schwerkraft tut ein Übriges und heraus kommen Planeten und Monde. Schwere Stoffe wie Nickel und Eisen sinken ins Innere eines aufgeschmolzenen (erdähnlichen) Urplaneten. Leichtes Mantel- und Krustenmaterial schwimmt obenauf — und ist lange noch umherfliegenden Trümmern ausgeliefert, dem Bauschutt der Stern- und Planetenbildung. (Das Bombardement, das vor 3,9 Jahrmilliarden endete, hatte für uns sein Gutes: einschlagende Asteroiden und Kometen, aus eisigen Gefilden kommend, ließen hier ihr Wasser. Aber nicht alles Wasser ist kometaren Ursprungs. Kometeneis enthält zuviel Deuterium.) Die Mondkrater sind Zeugen dieses vorsintflutlichen Gesteinshagels. Auf der Erde fehlen diese Narben. Sie sind längst durch Wind und Wetter, Plattentektonik und Vulkanismus getilgt. Anders als der Mond ist die Erde dank ihrer inneren Hitze geologisch aktiv. Ihre Haut erneuert sich, schlägt Falten, wo Gebirge sich auftürmen, bekommt Risse, wo Kontinente auseinanderdriften.
Apropos Mond. Vermutlich ist er Erdkruste, in grauer Vorzeit herausgeschlagen durch einen marsgroßen Himmelskörper. Die Glutwolke dieser Karambolage muss Hunderte von Lichtjahren weit zu sehen gewesen sein. Die Trümmer, die im Bannkreis der Erde verblieben, fügten sich zum Monde.
Im Adlernebel
Heiße, massereiche Sterne bescheinen von oben die Stätte ihrer Geburt. Die «Rüssel» sind Säulen aus molekularem Wasserstoff, Brutstätten für weitere Sterne. Im Schutz des eigenen Schattens haben dort Wasserstoffmoleküle bislang der Zerstörung durch die UV-Strahlung der Erstgeborenen widerstanden. Das Zernagen durch Strahlung legt Dutzende von Klümpchen frei, Globulen, aus denen möglicherweise bald neue Sterne schlüpfen. Der linke «Pfeiler» misst ein Lichtjahr.
Bildquellen: VLT (ESO), AIP, HST (STScI/NASA), Galileo Project (JPL, NASA)
21.01.2003
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