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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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Ein Ding ist symmetrisch, wenn wir etwas mit ihm machen können, sodass es danach genauso aussieht wie zuvor.

Hermann Weyl (1885–1955)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

fragte man nach der Geburtsstunde der modernen Physik, so wäre der 23. Juli des Jahres 1847 ein passendes Datum. Hermann von Helmholtz (1821–1894), damals noch ohne „von“, verkündet vor der Berliner Physikalischen Gesellschaft den Satz von der Erhaltung der Energie. (Im damaligen Sprachgebrauch sprach man von „Kraft“.) Das war neu vor 170 Jahren. Energieerhaltung galt, wenn überhaupt, nur näherungsweise, sprich bei Abwesenheit von Reibung und sonstigen (z. B. elektrischen) Widerständen. Erst durch Hinzunahme der Wärme als einer Sonderform von Energie mauserte sich der Energieerhaltungssatz zu einem unumstößlichen Naturgesetz. Physiker sind heilfroh über alles, das sich im Wechsel der Tage nicht ändert. Der Energieerhaltungssatz ist ein solcher Fels in der Brandung.

Für die Masse gibt es keinen Erhaltungssatz, obwohl man das lange Zeit glaubte. Das E auf der linken Seite von Einsteins E = m·c², ist fundamentaler als das m auf der rechten, die Masse!

Die Feststellung, Energie könne nicht verschwinden, ist kein Freibrief, sie zu vergeuden. Durch Reibung, Wärmeerzeugung, vermindert sich nämlich im Laufe der Zeit ihr Wert, der Anteil an nutzbarer Energie, solche, die Arbeit verrichten kann. Helmholtz prägte für letztere den Begriff der freien Energie. Für freie Energie, also arbeitsfähige, gibt's keinen Erhaltungssatz, weshalb man sorgsam damit umgehen sollte. Es besteht zwar kein unmittelbarer Anlass zur Panik, dennoch sei darauf hingewiesen, dass 99,9% der kosmischen Photonen ihr Arbeitsvermögen bereits eingebüßt haben. (Wärmefreie) Sonnenstrahlen sind die Ausnahme im Universum!

Die Sonne passiert im Juli die Zwillinge. Das Sternbild steht für ein mustergültiges Brüderpaar: Castor (α Geminorum) und Pollux (gr. Polydeukes, β Geminorum), die Dioskuren. Ihrer beider Mutter war Leda. Diese ward von Zeus verführt, welcher sich der arglos Badenden in Gestalt eines Schwanes genähert haben soll, wovon die Kunstgeschichte bis heute zehrt. Das Techtelmechtel blieb nicht ohne Folgen: Pollux. Dieser, ein Halbgott, war unsterblich. Der Halbbruder, Castor, aber war rein irdisch und sterblich. Als Castor im Kampfe fiel und in die Unterwelt musste, weigerte sich Pollux allein im Olymp zu wohnen. Er soll Vater Zeus erweicht und die Hälfte seiner Unsterblichkeit an den geliebten Bruder abgegeben haben. Warum diese Sage aus der Antike hier und heute aufgetischt wird? Nun, vor 2500 Jahren, es war Mitte Juli, wurde in Rom, auf dem Forum Romanum, der Dioskuren-Tempel geweiht. Wann ist schon Gelegenheit, auf ein Ereignis mit astronomischem Bezug hinzuweisen, das sich zum 2500-ten Male jährt?

Und nun noch etwas rein Astronomisches: Am 8. Juli 1992, vor einem Vierteljahrhundert, schoss Shoemaker-Levy 9 nahe am Jupiter vorbei, zu nahe! Der Komet verkraftete dies nicht. Die Gezeiten zerissen ihn in mindestens 21 Einzelteile. Zwei Jahre darauf, wieder im Juli, schlugen diese zum Ergötzen aller Schaulustigen hienieden nacheinander in den Jupiter ein. Man kann nur hoffen, dass es dort kein höheres Leben gab.

Laue Sommernächte und allen Hiergebliebenen klare Sicht vom Saturn bis zum Stachel des Skorpions wünscht

Hans-Erich Fröhlich

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