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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie Amalthea, die Ziege, die im Ida-Gebirge der Insel Kreta den Jupiter (Zeus) gesäugt haben soll? (Nach anderer Lesart ist Amalthea, auch Amaltheia, der Name einer Nymphe, die den göttlichen Säugling mit Ziegenmilch genährt hat.) Aus dem abgebrochenen Horn der Ziege jedenfalls wurde das Füllhorn der Fortuna, das Symbol des Überflusses, ohne das die Kunstgeschichte ein gut Teil ärmer wäre. Natürlich landete die Ziege als Dank für ihren Ammendienst am Himmel: Es ist die Capella, einer der hellsten Sterne des Nordhimmels. Für uns ist Capella zirkumpolar. Zu Wintersbeginn steht sie über uns. Der Hauptstern des Fuhrmanns entpuppt sich als enger Doppelstern: Zwei Riesensterne von der Farbe der Sonne umkreisen einander binnen 104 Tagen. Es ist absehbar, dass sich der größere der beiden weiter ausdehnen wird, und dann dürfte es eng werden … Das 400 Millionen Jahre junge Sternenpärchen ist lediglich 43,4 Lichtjahre von uns entfernt.

Näher und kleiner ist eine andere Amalthea. Der fünfte Jupitermond wurde vor 125 Jahren aufgefunden. Es geschah am 9. September 1892 an der Lick-Sternwarte auf dem kalifornischen Mt. Hamilton. Nach fast drei Jahrhunderten endlich ein weiterer Jupitertrabant! Der glückliche Entdecker war Edward E. Barnard (1857–1923). Sein Teleskop, der mit 91-cm Öffnung damals größte Refraktor der Welt, war erst 1888 in Betrieb genommen worden. Barnard ist ein Pionier der Astrophotographie. Den fünften Mond aber hat er noch visuell entdeckt. Den Namen Amalthea soll der französische Schriftstellerastronom Camille Flammarion (1842–1925) vorgeschlagen haben. Eine glückliche Wahl, eine passende!

Im September heißt es Abschied nehmen. Cassini, die seit 2004 den Saturn umkreist, wird Mitte des Monats kontrolliert im Saturn verglühen. Dadurch soll einer möglichen Kontaminierung der Monde, insbesondere des Titan, mit mitgeschleppten Mikroorganismen vorgebeugt werden. Der Saturnmond Titan hat eine Atmosphäre und ist an seiner Oberfläche reich an organischen Verbindungen. Er gilt deshalb bei Exobiologen als Kandidat für außerirdisches Leben – und da möchte man sich nicht versündigen.

Ein Nachtrag zur „Saros-Periode“: Wie ein aufmerksamer Kosmos-Boten-Leser dankenswerterweise bemerkte, kann die Periode aus kalendarischen Gründen durchaus auch einmal 18 Jahre und 12 1/3; Tage dauern, also einen Tag länger als angegeben. Dann näm­lich, wenn nur drei Schaltjahre in den betreffenden Zeitraum fallen, d. h. ein Schaltjahr ausfällt. Das kann geschehen, wird eine Jahrhundertgrenze überschritten. (2000 war die Ausnahme von der Ausnahme, nämlich ein Schaltjahr. 1700, 1800 und 1900 mussten ohne 29. Februar auskommen, und das wird auch 2100 so sein.)

Wem die Zeit nicht schnell genug vergeht, hier etwas Erfreuliches: Am 1. September 10 Uhr MESZ liegt ein Sechstel des 21. Jahrhunderts hinter uns!

Angenehme spätsommerliche Sternennächte wünscht

Hans-Erich Fröhlich

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