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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
Aktuelle Ausgabe
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Ich aber wußte, dass es nur eine Wissenschaft von den Dingen gibt, die sich wiederholen.

Antoine de Saint-Exupéry

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Exoplaneten entlassen uns nicht aus ihrem Bann. Im Februar ging's um das Auffinden von Pulsarplaneten vor einem Vierteljahrhundert. Aktuell lässt eine Meldung aufhorchen, in der von sieben erdgroßen Planeten um einen astronomischen Winzling die Rede ist – Sieben auf einen Streich! Beim Mutterstern handelt es sich um einen unbedeutenden, weil extrem massearmen, roten Zwergstern von Jupitergröße. Wo? In 40 Lichtjahren Entfernung im Wassermann. Während die Pulsarplaneten sich durch die Reflexbewegung des Neutronensterns verrieten – eine Konsequenz aus dem Schwerpunktsatz –, geht die neuerliche Entdeckung auf das Konto der Transitmethode.

Zunächst aber sei eines Zufallsfundes gedacht, der 40 Jahre zurückliegt: das Auffinden der Uranusringe. Bis dato waren Ringe ein Alleinstellungsmerkmal des Saturn gewesen. Entthront wurde der „Herr der Ringe“ dadurch nicht. Für den Naturbetrachter bleibt alles beim alten. Die Ringe der drei anderen Riesenplaneten – auch Jupiter und Neptun sind beringt – sind unspektakulär. Das wundert nicht, das Material der Ringe um Uranus und Neptun ist schwarz wie Kohle.

Am 10. März 1977 kam es zu einer Sternbedeckung durch den Uranus. Ein Beobachterteam um James L. Elliot (1943–2011) wollte mit dem Verschwinden und Wiederauftauchen des vergleichsweise hellen Sterns hinter dem Uranus die Uranusatmosphäre scannen. Dazu wurde von einem Spezialflugzeug aus das Gesamtlicht (Uranus + SAO 158687) mit hoher Zeitauflösung (10 ms) gemessen. Wie üblich begann man vor der Zeit mit der Registrierung. Dabei stellte sich heraus, nicht nur Uranus bedeckte den Stern! Das Sternenlicht verschwand vor und nach der eigentlichen Bedeckung kurzzeitig wenigstens fünf Mal! Dies wies auf schmale lichtundurchlässige Ringe hin. Ein Jahr darauf und nach weiteren Sternbedeckungen sprach man bereits von deren neun. Direkt gesehen, d. h. fotografiert, wurden sie sieben Jahre später. Zwei weitere Ringe wurden 1986 von Voyager 2 im Vorbeifliegen gesichtet. Und das Hubble-Raum-Teleskop steuerte ein Ringpaar bei, zwei äußere Ringe. Dazu gesellen sich noch eine Anzahl von schmalen Teilringen sowie ein diffuses Staubleuchten zwischen den Hauptringen. Die Ringe sind sehr schmal. Der breiteste, genannt ε-Ring, bringt es auf maximal 100 km Ausdehnung. Maximal deshalb, weil die Ringbreite keineswegs längs des Ringes konstant ist. Genaugenommen sind die Ringe gar nicht ringförmig, sondern elliptisch.

Die Schmalheit der Ringe ist ein Problem. Man hatte erwartet, dass häufige Stöße zwischen den Myriaden Ringpartikeln einen Ring unwiderruflich und bis zur Unsichtbarkeit zerfließen machen. Was ihn daran hindert? Beim ε-Ring sind es zwei „Hirtinnen“, die dafür sorgen, dass er nicht aus der Fasson gerät. Die beiden Möndchen, Cordelia und Ophelia, sind nach Charakteren aus Shakespeare Stücken benannt. Als Erklärung für Teilringbögen, wie sie en masse beim Neptun vorkommen, reicht anscheinend ein Mond. Der sorgt u. U. dafür, dass an gewissen Stellen, nahe seiner Umlaufbahn, Ringteilchen in einer sog. 1 : 1-Bahnresonanz gefangen sind. (Im Großen kennt man das, mit der Sonne in der Rolle des Neptun und Jupiter in der eines Neptuntrabanten, von den Trojanern. Das sind Asteroiden, die unter dem gravitativen Zugriff des Jupiter bei zwei Lagrangepunkten der Jupiterbahn stationiert sind.) Das schafft sogar ein unscheinbarer Mond, einer, der zu klein ist, als dass man ihn zu Gesicht bekäme. (Wie will man eine solche Theorie widerlegen, wenn man sich nie sicher sein kann, dass kein Mond vorhanden ist?)

Planetenringe scheinen nicht für die Ewigkeit gemacht zu sein. Sie dürften von Zerfall oder Erosion eines Mondes künden. Falls keine Nachlieferung die Verluste ersetzt, bedarf es eines Griffes in die Trickkiste der Himmelsmechaniker, um Ringe an ihrem sofortigen Verschwinden zu hindern.

Kommen Sie gut in den astronomischen Frühling!

Ihr Hans-Erich Fröhlich

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