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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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… nur ganz zuletzt, da scheints schnell zu gehen und schnell gegangen zu sein, – aber das ist so lange hin …

aus „Doktor Faustus“ von Thomas Mann (1875–1955)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

gerade war vom „wilden“ Zufall die Rede gewesen, und das in Zusammenhang mit Katastrophen. Es gibt aber auch den „glücklichen“ Zufall. Von einem solchen, der die große, die astronomische Welt buchstäblich erschütterte, soll die Rede sein. Am Nachmittag des 17. August traf die Kunde von der Kollision zweier Neutronensterne in einer 130 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie im Sternbild Hydra ein. Die Ereignisse überschlugen sich. Als erstes sprachen die zwei aLIGO-Detektoren auf eine Gravitationswelle (GW) mit verräterischer Signatur („Chirp-Signal“) an. Aus den um Millisekungen differierenden Ankunftszeiten konnte auf die ungefähre Lage des Senders am Himmel geschlossen werden. Keine zwei Sekunden danach wurde von Überwachungssatelliten ein Gamma-Strahlen-Blitz (GRB) in der betreffenden Gegend des Weltalls registriert. Die Koinzidenz kann kein Zufall sein! Elf Stunden später hatte man Quelle und Heimatgalaxie optisch identifiziert. Das Nachleuchten konnte noch über Tage und Wochen von diversen Teleskopen verfolgt werden. Die Informationen, über unabhängige Kanäle eintreffend, ergänzen einander in vorteilhafter Weise. Was für Astronomen ein Glücksfall, dürfte für Kreaturen, sofern vorhanden, in NGC?4993, die keinen gehörigen Sicherheitsabstand zum Ereignis haben wahren können, auf lange Sicht das Aus bedeuten. Hochenergetische Strahlung schädigt die Atmosphäre eines Planeten.

Auch ohne diesen kosmischen Kataklysmus wären Neutronensterne Novemberthema. Vor 50 Jahren, am 28. November 1967, wurde nämlich von Radioastronomen ein erstes Exemplar dingfest gemacht, der Cambridge-Pulsar CP?1919. Dass es Neutronensterne geben muss, war Röntgenastronomen zu dem Zeitpunkt völlig klar. Vom Röntgendoppelstern Scorpius X-1, 1962 zufällig bei einem Raketenaufstieg am Röntgenhimmel entdeckt, gingen Strahlungsausbrüche aus, deren Kurzzeitflackern nur mit der Winzigkeit der Quelle zu erklären war. Nur ein Neutronenstern hat die in Frage kommende Statur. Über Neutronensterne wird seit 1934 spekuliert. Kaum ward in Cambridge von James Chadwick (1891–1974) das Neutron entdeckt, tauchte in Astronomenhirnen auch schon der Neutronenstern, eine Art überdimensionaler Atomkern, als Möglichkeit auf.

Der vorgesehene Hauptbeitrag, die abenteuerliche Geburt der neueren Geophysik, wird auf später verschoben. Geschichte kann warten. Die jungen Geophysiker von damals konnten es nicht. Erwartung lag in der Luft: Die Mär von der Meeresbodenspreizung, dem sea-floor spreading, erregte die Gemüter. Geomagnetische Messungen am Meeresboden belegten und belebten, wenn auch anders als von Alfred Wegener (1880–1930) einst propagiert, die Idee von der Kontinentalverschiebung. Für den Plattentektoniker fügten sich plötzlich Tatsachen, vermeintlich zusammenhanglose, zu einem sinnvollen Ganzen. Das neue Bild von der Erde veränderte selbst die Sicht auf Venus und Mars! Für die Geophysik war das Aha-Erlebnis von 1967 nicht weniger bedeutsam als die Darwin'sche Evolutionstheorie für die Biologie ein Jahrhundert zuvor.

Wie man sieht, hat es der November durchaus in sich. Von Tristesse wissenschaftlicherseits keine Spur!

Ihr Hans-Erich Fröhlich

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