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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
Aktuelle Ausgabe
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Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher.

Albert Einstein

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie versprochen, geht es diesmal um Pulsarplaneten (und um menschliche Urteilskraft). Doch zuvor kommen, ohne Anspruch auf Ausgewogenheit, Februar-Ereignissen aus der Wissenschaft zu Wort.

Vor einem Jahr, am 11. Februar, erfuhren wir von der Entdeckung der Gravitationswellen. Der Kosmos-Bote muss gestehen, dass er damit nicht mehr vor seinem Ableben gerechnet hatte. Um so größer das Erstaunen.

Vor 30 Jahren herrschte auch großes Erstaunen: endlich eine „nahe“ Supernova! SN1987A flammte am 23. Februar 1987 in der Großen Magellanschen Wolke (LMC) auf, einem Nachbarn der Galaxis. Das Jahrhundertereignis geschah am Südhimmel (und vor 168000 Jahren). Die davon kündenden zwei Dutzend Neutrinos wurden in Neutrino-Observatorien registriert, deren Betreiber, sofern sie die unterirdischen Labors zum oberirdischen Luftschnappen verließen, die LMC niemals zu Gesicht bekämen: Die Neutrinos mussten sich den Weg durch die Erdkugel bahnen. Binnen 13 Sekunden lösten zwei Neutrinoblitze Neutrinoalarm aus, Stunden bevor optische Astronomen davon Wind bekamen. Es braucht seine Zeit, bevor die äußeren Schichten des Unglücksternes erfahren, dass sich im Innern ein Unglück zugetragen hat. Beim Kernkollaps eines massereichen Sterns werden die Protonen der Atomkerne zu Neutronenbrei. Dabei (und bei anderen Prozessen) fallen Neutrinos an, die die Kollapsregion nahezu ungehindert verlassen, d.h. Energie hinweg tragen und dadurch den Sternenkern kühlen – was wichtig ist: denn ohne Kühlung kein Kollaps und kein Neutronenstern.

Das Neutron ist neueren Datums. Es wurde vor 85 Jahren von James Chadwick (1891–1974) entdeckt. Am 17. Februar 1932 erfuhren die Fachleute vom isospinalen Partner des Protons. 1935 machte der Nobelpreis Chadwick bekannt und zehn Jahre später erfuhr's die restliche Welt: Langsame Neutronen spalten Uran und Plutonium. Das Neutron ist – abgesehen von der elektrischen Neutralität, die in diesem Zusammenhang ohne Belang ist – auch nur ein Proton, allerdings ein „angeregtes“. Deshalb ist es auch nicht, wie dieses, von Dauer! Es kann sich wieder „abregen“, d.h. zu einem Proton zerfallen und tut dies auch in freier Wildbahn mit einer Lebenserwartung von einer Viertelstunde. 15 Minuten sind in der Mikrowelt eine Ewigkeit, der β-Zerfall mithin eine seltene Ausnahme, weshalb man von der schwachen Kraft, der schwachen Wechselwirkung spricht. Die β-Radioaktivität ist der Grund, weshalb die heiße Phase des Urknalls nur Minuten gedauert haben kann. Spätestens dann mussten nämlich die primordialen Neutronen in (Helium-)Atomkernen (α-Teilchen) verbaut gewesen sein, in denen sie, am Zerfallen gehindert, die Äonen überdauerten.

Und vor 40 Jahren? Da wurde bei einem Tauchgang am 17. Februar 1977 nahe den Galápagos Inseln am Boden des Pazifischen Ozeans ein neuer Lebensraum entdeckt. Die Rede ist von den „black smokers“, jenen Unterwasserschloten, die über 300° heißes Wasser, reich an Mineralien, ausspeien und an deren Ablagerungen wachsen. Und dort tummelt sich das Leben! Für die Schulbiologie waren diese Extremophile Aliens. (Wie man sieht, ist nicht jeder Alien gleich ein Extraterrestrier! Sie wohnen sogar in uns!) Was die Energieversorgung anbelangt, so zeigte sich, dass es auch ohne Sonnenlicht geht. „Man“ kann auch den Temperaturunterschied zwischen dem Erdinneren und Erdäußeren nutzen! Ging man bisher von zwei Domänen des Lebens aus, kernlosen Bakterien und Ein- bzw. Mehrzellern mit Zellkernen (Eukaryonten), gesellten sich nun die Archaeen hinzu. Darstellungen des Haeckel'schen „Lebensbaums“ zieren seit 1990 drei Wurzeln.

Vor 75 Jahren herrschte Krieg. In der „Luftschlacht um England“ 1940/41 kam dem Küstenradar zum Aufspüren feindlicher Flugzeuge eine wichtige Rolle zu. Als dieser Ende Februar 1942 kurzzeitig „geblendet“ wurde, dachte man an eine Feindeinwirkung. Urheber der Störstrahlung im m-Band war aber, wie der Radiopionier Stanley Hey (1909–2000) herausfand, die Sonne. Nun, sie macht sich lediglich durch ihre Nähe störend bemerkbar. An eine „richtige“ Radioquelle, beispielsweise einen magnetischen Neutronenstern (Pulsar), kommt sie nicht heran. Mit umgebauten Radaranlagen begann unmittelbar nach dem Krieg die Blütezeit der Radioastronomie, auch der solaren.

Wenn der Dezember, wie sein Name verrät, der 10. Monat ist, muss der Februar der 12. sein. Tatsächlich fing im alten Rom das Jahr mit dem Frühlingsmonat März an. Erst 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn auf den 1. Januar vorverlegt. Kommen Sie gut ins neue altrömische Jahr!

Ihr Hans-Erich Fröhlich

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