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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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Liebe Leserin, lieber Leser,

im vergangen Newsletter war von dem Sonneberger Astronomen Cuno Hoffmeister (1892–1968) die Rede gewesen. Die markante Astronomenpersönlichkeit starb vor 50 Jahren am 2. Januar. Hoffmeister, ein Spielwarenkaufmann und astronomischer Autodidakt, machte aus „seiner“ Sternwarte auf dem Erbisbühl bei Sonneberg (Thüringen) ein Weltzentrum der Veränderlichenforschung. Sterne, die, aus welchen Gründen auch immer, ihre Helligkeit ändern, sind interessant. (Man erfährt generell mehr über einen Gegenstand, ändert sich dieser mit der Zeit.) Das muss noch nicht einmal etwas mit Physik zu tun haben. Bei den sog. Bedeckungsveränderlichen ist es ein rein geometrischer Effekt, die wechselseitige Abschattung in einem engen Doppelsternsystem, der einen (in diesem Fall streng periodischen) Lichtwechsel bewirkt. Weil uns hier, durch eine Laune der Natur, diese entgegenkommt, wissen wir über diese Sterne bestens Bescheid. Dank der jahrzehntelangen fotografischen Überwachung des Sternenhimmels auf Veränderlichkeit verfügt das Archiv der Sternwarte über die weltweit zweitgrößte Plattensammlung. Neben Statistik und Physik der Veränderlichen galt Hoffmeisters Interesse allen Leuchterscheinungen des Nachthimmels: Meteoren, leuchtenden Nachtwolken, dem Zodiakallicht … Aus den von der Sonne weggewandten flatternden Ionenschweifen der Kometen glaubte er 1943 auf von der Sonne ausgehende „Korpuskularstrahlen“ schließen zu können. Diese Hypothese wurde 1951 von Ludwig Biermann (1907–1986) in Göttingen plasmaphysikalisch untermauert. Der Lichtdruck, der von Kepler (1571–1630) ins Spiel gebracht wurde, reicht zur Erklärung der Ionenschweife nicht aus. Durch Mond- und Venussonden wurde ab 1959 der Sonnenwind direkt nachgewiesen.
Aufsehen erregte Anfang der 60er Jahre Hoffmeisters Entdeckung einer intergalaktischen Staubwolke.

Vor 60 Jahren, am 31. Januar (Ortszeit) 1958, wurde Explorer 1 gestartet. Der erste US-amerikanische Erdsatellit enthielt an wissenschaftlicher Nutzlast kaum mehr als ein Geiger-Müller-Zählrohr. Das wissenschaftliche Ergebnis der hochfliegenden Mission sollte sich bald als eines der wichtigsten des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957/58 erweisen. Nach zwei weiteren Explorern und einem fehlgeschlagenen Schuss zum Mond (Pioneer 3) konnte James Van Allen (1914–2006) die Existenz zweier Strahlungsgürtel verkünden, d.h. Gebiete schneller geladener Teilchen (Elektronen und Protonen). Der äußere Gürtel reicht normalerweise nicht bis zu den geostationären Satelliten. Die nicht ganz unerwartete Entdeckung versetzte der bemannten Weltraumfahrt dennoch einen Dämpfer. Längerwährende bemannte Flüge sollten nicht viel höher als 400 km, die Flughöhe der ISS, reichen.

Die Teilchen der kosmischen Strahlung sind in die Falle des Erdmagnetfelds getappt, wo sie über Stunden bis Jahre gefangengehalten werden. Die Magnetosphäre der Erde ist seitdem im Fokus der Forschung. Wie kometare Ionenschweife reagiert diese Magnetblase empfindlich auf den Sonnenwind. Warum also nicht einmal von Wind und Wetter reden –– dem erdnahen „Weltraumwetter“? Über Magnetosphären verfügen auch die Riesenplaneten. Der Strahlungsgürtel des Jupiter übertrifft am Himmel den Vollmond!

Und nun noch eine brisante Meldung aus der Ferne: Ein schwarzes Super-Loch wurde im Herzen einer Teenager-Galaxie entdeckt. Der Quasar ULAS J134208.10+092838.61 aus des Universums Kinderstube hält mit z=7,54 den Rotverschiebungsrekord. (Wir blicken in eine Zeit zurück, als das Universum 8,54 mal kleiner war als heute.) Wie es 690 Millionen Jahren nach dem Urknall bereits zu einer „Punkt“masse von geschätzten 800 Millionen Sonnenmassen hat kommen können, ist für den Theoretiker, der sich mit kosmologischer Strukturbildung befasst, schleierhaft. Sollte es noch mehr von diesen kindlichen „Monstern“ geben, hat er ein Problem. Man kann nicht stets den Zufall, in diesem Falle eine zufällig starke Anfangsfluktuation, bemühen!

Was das 2018. Jahr astronomisch so in petto haben wird, weiß niemand. Wir gehen davon aus, es bleibt spannend! Bleiben Sie bitte auf Empfang!

Ihr Hans-Erich Fröhlich

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