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Abb.: Hans-Erich Fröhlich
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Liebe Leserin, lieber Leser,

das Unscheinbare macht wieder einmal von sich reden. Wie man hört, wird der uns nächstgelegene Stern – die Proxima – aller 11,2 Tage von einem erdgroßen Gesteinsplaneten (Proxima b) einmal umrundet. Die „Nächste“ ist ein unscheinbares rotes Sternchen 11. Größe im Sternbild Centaur, entdeckt 1915 von Robert T. A. Innes (1861–1933). Proxima ist 650-mal lichtschwächer als die Sonne und „wiegt“ 1/8 Sonnenmasse. Da die massearmen Sterne im Kosmos das Sagen haben, wundert es nicht, dass auch der z. Z. nächste Nachbar zur Sternenmehrheit der Schwachen zählt. Unweit von Proxima, nur zwei Grad entfernt, befindet sich α Centauri. Der „rechte Vorderhuf des Zentauren“ ist alles andere als unscheinbar. Es ist nach Sirius und Canopus der dritthellste Stern am Firmament! Im Fernrohr entpuppt sich α Cen als Doppelstern mit 80 Jahren Umlaufzeit. Die hellere Komponente, α Cen A, ist ein Sonnenzwilling, der Begleiter, α Cen B, ein etwas kühlerer Stern vom Spektraltyp K. Obwohl Proxima so weit von α Centauri entfernt ist, scheint sie dennoch gravitativ an diesen gebunden zu sein. Dafür spricht u. a. die gleiche Eigenbewegung am Himmel. Als Mitglied eines Trios wird Proxima auch als α Cen C bezeichnet. Die Umlaufzeit dürfte mindestens eine halbe Million Jahre betragen. Zur Zeit ist uns Proxima etwas näher als das α Cen-Pärchen. 40 Billionen Kilometer bzw. 4,22 Lichtjahre liegen zwischen uns und unserem nächsten Nachbarn im All. Diese Distanz zu überwinden, benötigte eine schnelle Sonde wie die Juno, die am 27. August mit 58 km/s knapp oberhalb der Wolkenschicht des Jupiter dahinraste, 22 000 Jahre.

Nahe Sterne fallen durch ihre hohe Eigenbewegung am Himmel auf. Auch ohne die Entdeckung des Proxima-Planeten wären die nahen Nachbarn der Sonne September-Thema: Im September 1916 gab E. E. Barnard (1857–1923) von der Yerkes-Sternwarte die Entdeckung des schnellsten Sterns bekannt. Der Barnard'sche Pfeilsterns „rast“ mit 10,4 Bogensekunden pro Jahr durch den Ophiuchus (Schlangenträger) gen Norden. Tatsächlich ist dieser Unterzwerg 9,5ter Größe – er bringt 1/7 Sonnenmasse auf die Waage – nach Proxima und α Cen A/B der zur Zeit mit 5,98 Lichtjahren viertnächste Stern. Übrigens kommen alle diese Sterne auf uns zu. Der Pfeilstern nähert sich uns sekündlich (noch) um 111 km! Seinen geringsten Abstand (3,75 Lj) wird er in 11 800 Jahren erreichen.

Erinnert sei an Carl Zeiß (1816–1888), dessen 200. Geburtstag am 11. September gefeiert wird. Der aus Weimar stammende Mechaniker und Unternehmer eröffnete 1846 in Jena die feinmechanisch-optische Werkstatt, aus der die weltberühmte Firma hervorgehen sollte. Berühmt waren die Zeiss-Mikroskope, deren Fertigung ab 1871 nicht mehr auf Probieren („Pröbeln“) beruhte, vielmehr auf den strahlungs- und beugungsoptischen Einsichten des Physikers und nachmaligen Direktors der Jenaer Sternwarte Ernst Abbe (1840–1905). Weitere Verbesserungen bedurften geeigneter Gläser, welche der Chemiker Otto Schott (1851–1935) in seiner Glashütte (ab 1884) herzustellen verstand. Sowohl Zeiß als auch Abbe, der die Firma weiterführte, taten sich sozial-reformerisch hervor.

Die Himmelskunde verdankt den Zeiss-Werken viel: Nicht nur Fernrohre mitsamt Montierung und Kuppel sowie Planetarien wurden dort gefertigt. E. E. Barnard fand seinen Schnellläufer durch Vergleich von Himmelsfotografien an einem Blinkkomparator der Firma! Auch Pluto wurde 1930 an einem solchen Zeiss'schen Hilfsapparat entdeckt.

Einen 150. Geburtstag gibt es auch. Am 21. September 1866 kam im englischen Kent H. G. Wells zur Welt. Der Schriftsteller starb 1946. Lange vor den Astronomen beschrieb er in seinem Zukunftsroman „Die Zeitmaschine“ (1895), wie die Sonne zum roten Riesen wird. (Die Frage, inwiefern „Zeitreisen“ als Möglichkeit theoretisch in Betracht gezogen werden müssen, beschäftigt wieder die Wissenschaft.) Dem Krieg-der-Welten-Autor hatte es die Darwin'sche Lehre angetan. Als Sozialdarwinist interessierte ihn die Zukunft der Menschheit, deren Degeneration er befürchtete.

Der September bleibt spannend bis zum letzten Tag. Am 30. wird die ESA-Kometensonde Rosetta auf den Kometen „Tschuri“ (67P/Churyumov-Ge­ra­si­men­ko) niedergehen und ihre Mission beenden.

Spätsommernächte mit Milchstraße bis zum Horizont wünscht Ihnen

Ihr Hans-Erich Fröhlich

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